Eine Bootstour auf dem Ypane

Freitag, 26.11.2010

Peter hatte gesagt, dass seine Gäste eine Bootstour auf dem nahegelegenen Fluss Ypane als einen Höhepunkt ihrer Reise bezeichnet hatten. Das durften wir uns deshalb auf keinen Fall entgehen lassen. Der Ypane entspringt in Brasilien und mündet etwas südlich von Concepcion in den Rio Paraguay (da fällt mir gerade ein: manchmal frage ich mich, ob diese Informationen irgendeine … überhaupt interessieren, oder ob es nur an meinem Geographie-Spleen liegt, dass ich das jetzt erwähne. Schön ist aber, dass ich manchmal einfach etwas schreiben kann, weil es sowieso keiner überprüft. Das mit dem YPANE stimmt aber!).

Gerade an diesem Tag war mir aber überhaupt nicht nach Ausflug zu Mute. Zum einen sahen wir zum ersten Mal seit Tagen keine Wolke am Himmel (akute Gefahr das Fell zu verbrennen). Es war also schon am Morgen muckelig warm. Und zum anderen hatte ich mit Peter und seinem zu Besuch weilenden Vater bis 2.30 Uhr morgens Skat gespielt. Damit nicht genug: Peters Vater ist ein Freund des hiesigen Zuckerrohrschnaps, den man für umgerechnet € 2,- in guter Qualität in einer 950ml – Flasche bekommt. Kein Quatsch, es gibt auch Flaschen für 80 Cent, aber an die habe ich mich bisher nicht herangetraut. Kurz gesagt, mit Cola kann man das Zeug sehr gut herunterspülen. Und ich fühlte mich am Morgen, als ob ich die 80-Cent-Qualität genossen hätte.

Auf dieser Rumpelpiste ging es mit dem LKW Richtung Fluss.

Wir ließen den Damen den Vortritt in der Fahrerkabine Platz zu nehmen und machten es uns auf der Ladefläche bequem. Philomena hätte lieber auf der Ladefläche gestanden, aber das war uns zu gefährlich.

Peter hatte ein paar aufblasbare Schläuche mitgenommen, die das Vergnügen noch erhöhen sollten.

Den Kindern hatten wir zur Vorsicht eine Mütze verordnet, da die Sonne beim Einschiffen um 10.21 Uhr schon gnadenlos vom Himmel brannte.

Lange hielt es sie nicht im Boot und sie nahmen Peters Angebot an und gingen in die Schläuche. Auch die waren schon heiß, sodass wir sie erst umdrehen mussten.

Am Ufer sahen wir immer wieder vertrocknete Pflanzen.

Peter erklärte uns, dass es sich dabei um Bambus handelt der im Alter von 40 Jahren von alleine abstirbt. Das geschieht zum Selbstschutz, weil die Pflanze am Boden von Würmern und Maden ausgehöhlt wird. Deshalb wächst von unten heraus nichts nach. Über Samen pflanzt sie sich dann weiter fort. Hatten wir dieses Phänomen vor Jahren nicht auch schon einmal in Deutschland ?

Tiere bekamen wir auf dieser Tour nicht viele zu Gesicht. Ein Kormoran flüchtete vor uns immer wieder, sobald er in unser Blickfeld geriet.

Plötzlich hörten wir ein Rascheln und es lugte ein Kapuzineräffchen aus einem Baum. So nah sahen wir es aber nicht. Ein Hoch auf das reparierte 200mm Teleobjektiv.

Der Fluss Ypane ist sehr ursprünglich, da er aufgrund seiner geringen Wassertiefe nicht schiffbar ist und auch keine intensive Landwirtschaft an seinen Ufern betrieben wird.

Auch Mungo und ich konnten bald darauf der Versuchung nicht widerstehen. Peter warnte uns mit den Füßen den Boden zu berühren, weil auf dem sandigen Boden häufig Stachelrochen lägen, die böse Verletzungen verursachen könnten. Bisher gäbe es kein Serum gegen das Gift und wenn die Stiche häufig auch nicht tödlich endeten, so hätten die Verletzten so starke Schmerzen, dass sie tagelang schreien würden. Einen Patienten hätte man beinahe ins künstliche Koma versetzen müssen, da er seine Schmerzen kaum aushalten konnte.

Peter brillierte wieder mit seinen unglaublichen Fachkenntnissen über Paraguays Tier- und Pflanzenwelt. Selbst die lateinischen Namen fügte er häufig ungefragt hinzu. Kaum eine Frage blieb unbeantwortet.

Zudem ist er sehr unterhaltsam, weil er immer wieder eine lustige Geschichte auf Lager hat.

Wir trafen nur auf wenige andere Reisende. Das andere Flussufer ist nur mit Booten zu erreichen, weil dort keinerlei Straßen vorhanden sind.

Versuche vom Ring in das Boot zurück zu gelangen schlugen fehl. Ich musste warten bis wir eine kleine Pause an Land machten.

Hinter Gertrud sieht man den Außenposten einer Estancia, einer der riesigen Rinderfarmen, die manchmal mehrere tausend Hektar groß sind. Wenn die Rinder geimpft werden müssen muss jemand zu ihnen heraus fahren und dort in den Außenposten übernachten. Das ist ökonomischer als sie über 40 km und mehr zurück zur Zentrale zu treiben. Diese Estancias haben wirklich unvorstellbare Ausmaße.

Dann wurde es ein wenig lustig. Es kamen ein paar Stromschnellen, die u.a. dafür sorgen dass keine Motorboote auf dem Ypane verkehren.

Peter nannte uns eine Stelle auf der anderen Flussuferseite wo das Hindurchgleiten besonders viel Spaß machen sollte.

Und es machte Spaß. Wegen meines Tiefganges bestand keine Gefahr des Kenterns.

Mungo riss sich an ein paar Steinen ein wenig die Hose auf.

Auf einer kleinen Insel im Fluss packte Peter die mitgebrachten Leckereien aus.

Es gab (noch warme!) Pizza, Brot, Rippchen und zum Nachtisch Marmorkuchen. Schlauchfahren macht hungrig.

Normalerweise macht Peter mit seinen Gästen an diesem Baum immer halt und nutzt diesen als Sprungturm. Der obere Ast sei 9m hoch, sagte er. Aufgrund des derzeitigen Hochwassers seien es momentan wahrscheinlich aber 1-2 m weniger. Wir verzichteten dankend. Im Schlauch den Fluss hinunter zu treiben war eher unser Ding.

Bald hielt es Philomena und Sabeth auch nicht mehr in den Ringen und sie nahmen ein ausgedehntes Bad im Fluss und ließen sich vor dem Boot den Fluss hinab treiben. Bei der Betrachtung des Fotos könnte man glatt denken: haben die Eltern eigentlich noch alle “Latten am Zaun”. Ich möchte aber zu unserer Entschuldigung sagen, dass Peter mehrfach versicherte, dass von dem Fluss bis auf die Stachelrochen keine Gefahr ausgeht. Und er fügte noch hinzu, dass Kaimane keine Menschen angreifen … .

Die Mädchen waren immer in der Nähe des Bootes, sodass jeder von uns hätte schnell eingreifen können.

Das ist Peters Lieblingsbaum. Wenn ich mich recht erinnere eine Zeder. Diese würde im Frühjahr immer wunderbar rot blühen, so erzählte er uns. Und er sei froh, dass der Baum bisher nicht abgeholzt wurde.

So trieben wir dahin und dahin …

… bis wir an diese Anlegestelle kamen, wo nach 5 Stunden Fahrt unser schöner Ausflug zu Ende ging.

An einem kleinen Weiher hielten wir nochmal an,

weil Peter Fische für seine Aquarien fangen wollte. Einige holte er mit dem Netz heraus.

 

 Zurück ging es dann wieder über eine üble Rumpelpiste. Hinten auf dem LKW wurden wir hin und her geschleudert. 

Vorbei ging es an diesem Feuchtgebiet, und eh´ ich mich versah hatte ich schon wieder diverse Mücken- und Bremsenstiche an meinen Beinen. Es war wirklich zum K….. .

Nur die Landschaft und die zahlreichen Vögel lenkten mich ab. In der Ferne sahen wir auch noch zwei Nandus (südamerikanische Strauße) die ich aufgrund der Rumpelei aber nicht ordnungsgemäß ablichten konnte.

Und dann erreichten wir auch bald die Hauptstraße die uns zurück zu Peters kleiner Farm führte.

So ihr Lieben. Es ist 1 Uhr und ich muss jetzt ins Bett. Ich weiß nicht, was ihr am heutigen Dienstag macht, aber wir fahren gleich nach Bolivien. Und da muss der Papa fit sein !

Liebe Grüße in die Heimat.

Euer Thomas

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