Moin und Hallo

Ihr seid auf dem blog von uns, der Familie Kalthoff, gelandet.

Wir, 45, 43, 11 und 8 haben am 08. August 2010 unsere schöne Heimat verlassen und sind für 1 Jahr in den Süden Spaniens und nach Südamerika “geflohen”. Seit dem 31. Juli 2011 sind wir wieder zurück.

Wir sind dankbar, dass wir gesund nach Hause zurückkehren durften und denken noch gerne an die aufregende Zeit zurück, die wir gemeinsam als Familie verleben durften.

Momentan bin ich gerade damit beschäftigt die vielen blog-Seiten so zu komprimieren, dass sie in ein Buch passen. Ich bin selber gespannt, ob mir dies gelingen wird (auch aufgrund der notwendigen Ausdauer und Disziplin, alles noch einmal zusammenzufassen).

Viel Spaß beim Lesen!

 Euer Thomas

Zurück in Osnabrück

Ja, wie geht es jemandem, der nach einem aufregenden und erlebnisreichen Jahr nach Osnabrück zurückkehrt? Für mich kann ich die Frage ganz klar beantworten: “Gut!” Und ich glaube das auch für meine Familie sagen zu können.

Allerdings habe ich genau 77 Tage gebraucht, um dieses Fazit zu Papier zu bringen. So lange ist es schon wieder her, seitdem wir aus Vejer de la Frontera im Süden Spaniens in die Heimat zurückgekehrt sind. Warum es so lange gedauert hat, bis ich diese Zeilen geschrieben habe, weiß ich auch nicht. Ich denke aber, dass “alles seine Zeit hat”.

Die ersten 2 1/2 Monate nach unserer Rückkehr waren wirklich schön (bis auf das Wetter!) und vor allem durch viele Treffen mit Freunden und Bekannten gekennzeichnet.

Unsere Familien trafen wir sehr bald nach unserer Rückkehr, aber in Bezug auf die Freunde und Bekannte wussten wir nicht, mit wem wir uns zuerst treffen sollten. Da wir uns noch in einer entspannten Urlaubsstimmung befanden, verabredeten wir uns dann ohne Prioritätensetzung mit Leuten, den wir begegneten oder mit denen wir telefonierten. Das führte dann dazu, dass wir einige unserer engeren Freunde erst 2 Monate nach unserer Rückkehr trafen. Dies tat aber zum Glück der Freundschaft keinen Abbruch. Auf die 2 Monate kam es nun auch nicht mehr an. Durch den regen E-Mail-Verkehr und durch Telefonate hatten wir bei vielen Treffen den Eindruck, als ob wir gar nicht weg gewesen wären.

Und wie war die Rückkehr sonst so?

Voll freudiger Erwartung (endlich wieder in Osnabrück) und Anspannung (wie würde wohl unsere Wohnung nach 1 Jahr Leerstand aussehen) kehrten wir am Abend des 29. Juli zurück. Insgeheim hatte ich nicht ausgeschlossen, beim Betreten unserer Wohnung ein “englisches Geisterhaus” mit Spinnweben, Staubschichten usw. vorzufinden. Umso überraschter waren wir unsere Wohnung in einem sehr ordentlichen Zustand vorzufinden. Für “Männeraugen” waren keine Spinnweben zu sehen und auch meterdicke Staubschichten suchte ich vergeblich. Auch “muffte” es nicht. Mir schien es so, als ob wir lediglich von einer 4-wöchigen Reise zurückgekehrt wären. Meine Frau berichtigt meine Aussagen in diesem Punkt aber regelmäßig: sie sagt, dass man an vielen Stellen schon hat erkennen können, dass unsere Wohnung für längere Zeit nicht bewohnt war.

Nur hier war sie überrascht: während unserer Abwesenheit war ein guter Freund von uns wenige Male in der Wohnung um ab und zu mal zu lüften. Bis heute glaubt meine liebe Frau ihm nicht, dass er NICHT Staub gewischt hat. Das Ceranfeld unseres Herdes war praktisch staubfrei und sie ist der festen Überzeugung, dass jemand in der Küche Staub gewischt haben muss!

Unsere Töchter vollführten Freudentänze, nachdem sie nach einjähriger Abstinenz ihre Zimmer betreten hatten und auch Gertrud und ich waren froh, wieder daheim zu sein. Zu Beginn war es zwar ein komisches Gefühl wieder daheim zu sein, aber “fremd” war es dennoch nicht. In der folgenden Zeit waren wir überrascht, welche Schätze verschiedene Schränke bargen: Dinge, die während des Jahres in Vergessenheit geraten waren (und aller Wahrscheinlichkeit deshalb auch höchst überflüssig sind :-) ). Auf der anderen Seite suchten wir Dinge, weil wir nach einem Jahr nicht mehr wussten, wo wir diese verstaut hatten.

Die Eingewöhnungsdauer verlief bei uns naturgemäß höchst unterschiedlich: Gertrud sagt, dass sie schon einige Zeit benötigt habe, um sich wieder an den Alltagsrhythmus zu gewöhnen. Ich behaupte von mir, dass ich bereits 2 Tage später fast komplett wieder auf  Osnabrück “umgeschaltet” hatte. Ich habe noch gut in Erinnerung, wie ich am 01. August in die Stadt radelte und mich an der Temperatur von ca. 23 °C erfreute. Die heißen Tage in Vejer im Juni und Juli mit stetig über 32°C waren auf Dauer doch ermüdend gewesen. Und vor diesem Hintergrund hatte ich dort auch keine Freude am Fahrrad fahren mehr.

Unseren beiden jungen Damen war auch keine längere Eingewöhnungszeit anzumerken. Bereits 2 Tage später war eine Freundin von Sabeth zu Besuch. Das eine Jahr in der Ferne hatte der Freundschaft keinen Abbruch getan. Auch Philomena machte sich schon am nächsten Tag zu einer Rundtour zu ihren Freundinnen auf. Die Freude über die Rückkehr war so groß, dass ich keinerlei Anpassungsschwierigkeiten bemerkte.

Sabeth kehrte zu Beginn des Schuljahres in ihre alte Klassengemeinschaft (jetzt Klasse 3) zurück und ihre Klassenlehrerin zeigte sich erstaunt, wie selbstverständlich (“Als ob Sabeth gar nicht weg gewesen wäre” ) die Mitschüler und Mitschülerinnen sie nach einem Jahr wieder aufnahmen. Meine Erklärung ist die, dass Kinder einfach unkomplizierter sind. Nach einer 1-monatigen Probezeit erhielten wir die Nachricht von Sabeths Klassenlehrerin, dass sie weiterhin die Klasse 3 besuchen darf, und somit nicht die 2. Klasse wiederholen muss. Unsere Freude war riesengroß, zeigte es uns doch, dass das Experiment “wir unterrichten Sabeth in den Fächern Deutsch, Sachkunde und Mathematik” (auch dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer Klassenlehrerin) geglückt ist. Die bisherigen Noten der Klassenarbeiten bestätigen die Entscheidung, sie die 3. Klasse besuchen zu lassen.

Philomena fühlt sich an ihrer neuen Schule in der Klasse 5 “sauwohl” und es macht ihr überhaupt nichts aus, dass ihre (alten) Freundinnen alle schon ein Schuljahr weiter sind. Sie nimmt mit Freude am Unterricht teil und wir als Eltern freuen uns, dass unseren Töchter während des Auslandsjahres die Freude am Lernen nicht abhandengekommen ist.

Auch ich bin an einer “neuen” Schule gelandet, weil ich mich im Januar 2010 auf eine andere Stelle beworben hatte. Im April dieses Jahres schien es noch so, als ob bis zum Beginn des Schuljahres 2011/2012 keine Entscheidung fallen würde, da bei Gericht eine Klage gegen die Stellenvergabe anhängig war. Mit einer baldigen Entscheidung rechnete niemand und so hatte ich mich auf eine Rückkehr an meine Schule eingestellt. Doch dann ging alles sehr schnell: in einem Telefonat teilte mir mein Schulleiter mit, dass ich aller Wahrscheinlichkeit nach ab August an einer anderen Schule tätig sein werde. Dies war schon ein kleiner Schock für mich, da ich mich von meinen Kollegen an meiner damaligen Schule nur für “1 Jahr” verabschiedet hatte.

Mittlerweile habe ich mich relativ gut an meinem neuen Arbeitsplatz eingelebt und eingearbeitet. Das “alte” Kollegium und speziell einen Kollegen vermisse ich zwar noch - es gibt aber viele Vorteile, die der neue Arbeitsplatz mit sich bringt: höhere Besoldung, kürzerer Fahrweg, Bildung von Fahrgemeinschaften, eigener Klassenraum mit Beamer (mittlerweile ausgestattet mit eigenen Pflanzen, Kaffeemaschine, Kiste Wasser). Und auch wenn mir mein letzter Schulwechsel vor 8 Jahren noch deutlich leichter fiel, so bin ich mir auch diesmal der positiven Aspekte dieses neuen Abschnitts bewusst.

Ich werde immer wieder gefragt, wie es denn sei, nach einem Jahr Abstinenz wieder die Arbeit aufzunehmen und wieder vor einer Klasse zu stehen. Meine Antwort: “Abgesehen davon, dass ich mir im Vorhinein wenig Gedanken um diese Frage gemacht habe, war ich mir sicher, dass ich nach der langen Zeit keinerlei Probleme haben werde”. Und so war es auch: nach knapp 14 Monaten “Auszeit” gab ich meine erste Unterrichtsstunde. Ich stellte mich vor die Klasse, wünschte einen “Guten Morgen” und bereits nach 2 Minuten war es so, als ob ich gar nicht weg gewesen war. Schade eigentlich, aber es ist auch gut so!

Auch Gertrud hat sich mittlerweile wieder vollends eingelebt und hat einen Teilzeitjob aufgenommen, der ihr trotz der zusätzlichen Belastung auch Freude bereitet.

So hat uns alle der Alltag wieder. Bleibt noch eine weitere Frage zu beantworten, die uns immer wieder gestellt wird: “Wann folgt die nächste längere Reise?” Ich antworte darauf immer, dass ich noch nie so wenig Fernweh verspürte wie momentan. Und das eine ähnliche Reise, wenn überhaupt, frühestens ansteht, wenn die Kinder ihre Schulausbildung beendet haben. Vorstellen könnte ich mir, mit Gertrud den Norden Südamerikas zu bereisen. Am Titicacasee in Bolivien waren wir kurz davor, über die Grenze nach Peru, und von da aus weiter in den Norden nach Ecuador und Kolumbien zu reisen. Dies wäre ein mögliches Ziel in ferner Zukunft.

Momentan sind wir einfach glücklich wieder hier zu sein und den richtigen Zeitpunkt für diese Reise getroffen zu haben. Das Alter unserer Töchter und der anstehende Schulwechsel von Philomena waren genau der richtige Zeitpunkt für unser Unterfangen. Mit pubertierenden Töchtern tut man weder seinen Kindern noch sich selbst einen Gefallen mit einer solchen Reise. Und neben all´ den tollen Erlebnissen durfte ich vor allem während der letzten 3 Monate unsere Auslandsaufenthaltes in Südspanien erfahren, dass ich momentan noch zu jung für den Ruhestand und das “süße Nichtstun” auf Dauer bin. Mir fiel die Decke regelrecht auf den Kopf und ich sehnte mich nach Alltag und Gestaltung. Eine weitere positive Erkenntnis aus diesem “Ausstieg auf Zeit”.

Summa summarum war es für jeden für uns ein gutes Jahr. Ein Jahr, das wir so schnell nicht wieder vergessen werden. Ganz im Gegensatz zu 2001, 2004, 2007, oder….

Was war denn da noch gleich ?

Macht es einfach!

Euer Thomas

Besuch aus der Grafschaft

Wir freuten uns über den Besuch von Gertruds Geschwistern Gesine und Albert. Kurzentschlossen hatten die beiden einen Flug gebucht.

Sie kamen zwar nur für 4 Tage, aber wir waren froh, einen Teil von Gertruds Familie nach einem knappen Jahr wiedersehen zu dürfen.

Besonders genoss ich die intensiven politischen Gespräche mit Schwager Albert. Nach der Atomenergiewende der Bundesregierung liegen wir politisch fast auf einer Wellenlänge :-) .

Und nach dem Motto “Platz ist in der kleinsten Hütte” frühstückten wir jeden Morgen bei uns in der Wohnküche.

Das Wetter war herrlich, nur ein wenig windig. Albert fiel nicht nur am Strand auf. Auch im Dorf sorgte er wegen seiner stattlicher Größe für Aufsehen.

Auch Philomena und Sabeth freuten sich über den Besuch ihrer Tante und ihres Onkels sehr.

Gesine war begeistert von der Altstadt Vejers. Wir genossen die Tage mit Spaziergängen und Strandbesuchen. Nach einer so langen Zeit hatten wir uns jede Menge zu erzählen.

Und an einem Tag Ende Juni war es dann soweit. Luft- und Wassertemperatur waren optimal und Gertrud ging ins Wasser!

Ich denke, dass wir uns bei Regenwetter in Deutschland noch gerne an diese Tage zurückerinnern werden.

Liebe Grüße in die Heimat.

Euer Thomas

Schulfest

Die Schulzeit neigte sich für Philomena dem Ende zu. Am 22. Juni sollte das Ende des Schuljahres mit einem großen Schulabschlussfest begangen werden.

Philomena hatte sich mittlerweile gut in der Klasse eingelebt und verstand mittlerweile auch das “andalusische Spanisch” ganz gut. Abends wurde sie manchmal von einigen ihrer Schulfreundinnen abgeholt. Sabeth durfte ab und zu auch einmal dabei sein. Selbst die Schulkinder treffen sich hier erst am Abend und ziehen bis 22.00 Uhr (und später!) durch die Straßen.

Philomena mit Rosas Neffen Javier.

Und dann war es soweit. Am 22. Juni gingen wir abends mit Philomena zu der Schule, die sie  2 Monate lang besuchen durfte.

Wochenlang hatte Philomenas Klasse in den Schulpausen einen Tanz eingeübt. Sie wunderte sich, dass dies von ihren Mitschülern ohne Murren mitgetragen wurde. Manchmal hatte sie noch nicht einmal Zeit ihr Pausenbrot zu verspeisen.

Auch den Kleinsten hier steckt die Musik und der Tanz im Blut.

Auf dem Schulhof war eine Bühne aufgebaut und es herrschte Volksfeststimmung. Eine willkommene Gelegenheit vor allem für die Erwachsenen sich über die neuesten Geschehnisse zu unterhalten. Manche hatten sich augenscheinlich seit Stunden nicht gesehen :-) . Angesichts der Lautstärke des “Palavers” verstand man kaum sein eigenes Wort.

Ich dachte nur an die Planung der Schulfeste in Osnabrück an Philomenas Schule, immer mit einem Plan B in der Tasche, falls das Wetter nicht mitspielt. Diese Sorgen hat man hier nicht.

Am Rande des Schulhofes erhielten jüngere Schüler die letzten Instruktionen für ihre Tanzaufführung. Der “Moppel” links unten hatte es mir besonders angetan. 

Erstaunlich fanden wir auch, dass auf dem Schulfest wie selbstverständlich alkoholische Getränke ausgeschenkt wurden. Hier ist alles anders. 

Dann ging es los. Moderiert wurde der Abend von 4 Schülern.

Jede Klasse hatte in den vergangenen Wochen eine Tanzaufführung zu mehr oder weniger bekannten Musikstücken einstudiert. Und ”mein kleiner Freund” war mit vollem Einsatz dabei.

Die Show begann mit den Vorschulkindern und endete mit Schülern der Klasse 6.

Viele Klassen hatten sich richtig Mühe mit der passenden Kostümierung gegeben. Es wurde nie langweilig, auch wenn ich das Schulfest insgesamt als etwas eintönig empfand. Ich hätte es abwechslungsreicher gefunden, wenn einigen Klassen etwas anderes als einen Tanz einstudiert hätten. Allerdings sorgten die Musik und der Tanz für eine super Stimmung. 

Und dann war es endlich soweit: Philomenas Klasse war an der Reihe und führte den Tanz Mythos aus dem Film Alexis Zorba auf.

Eine wirklich gelungene Darstellung. Auch wenn Griechenland einige Hundert Kilometer entfernt ist, so passte dieser Tanz durchaus in diese Umgebung.

Alle waren mit Spaß dabei. Schaltet bei der Betrachtung dieser Bilder mal http://www.youtube.com/watch?v=zpOAnWEyzt8&feature=related ein. Mache ich auch gerade. Da kommt gleich gute Stimmung auf.

Eines abends rief uns Rosa auf die Straße, wo gerade ein Umzug mit lebensgroßen Puppen stattfand.

Die Bedeutung dieses Umzuges habe ich nicht so genau verstanden.

Es bleibt aber festzuhalten, dass hier im Dorf immer was los ist. Langeweile kommt nie auf. Ein feierfröhliches Völkchen, die Andalusier.

Und Philomena könnte auch glatt als Enkeltochter von Rosa und Cristobal “durch gehen”.

Viele Grüße aus Vejer de la Frontera.

Euer Thomas

 

Hausbesichtigung

An einem sonnigen Tag im Juni … wurden wir von einer Mischmaschine geweckt.

Es war “schwer was los” auf unserer Straße, der Calle Sagasta. Deswegen waren Rosa und Cristobal, unsere Pationachbarn, schon frühmorgens vor der Tür.

Gleich zwei unserer Nachbarhäuser wurden renoviert. Die leerstehende Wohnung unserer Pationachbarin Oliva (sie ist schon seit Jahren im Altenheim und wir haben sie bisher nicht kennenlernen dürfen) wurde von außen und innen neu gestrichen und die Fassade unseres “geliebten” Nachbarhauses, einer Ruine, wurde neu verputzt und gestrichen.

Eine hervorragende Gelegenheit um die direkt unter uns gelegene Wohnung von Oliva zu inspizieren. Einmal hatten wir die Wohnung vor ein paar Jahren bereits in Augenschein genommen und ich hatte sie ziemlich “düster” in Erinnerung. Als Erdgeschosswohnung grenzt sie an die dicken Mauern der “Ruine” auf der einen Seite und an unseren Patio auf der anderen Seite.

Heute durfte ich feststellen, dass bei geöffneten Fenstern die Lichtverhältnisse gar nicht so übel sind. Und auch der “Muff” in dieser leerstehenden Wohnung hielt sich in Grenzen.

Vor Jahren hatte ich Rosa bereits unser Interesse an der Wohnung signalisiert, weil diese für uns eine ideale Vergrößerung unserer doch etwas beengten Wohnverhältnisse darstellt. Mit Hilfe einer innenliegenden Treppe hätten wir auf einen Schlag 3 Räume mehr und könnten endlich ein größeres Bad einbauen. Und wenn wir dann noch die Gelegenheit hätten eine Dachterrasse zu errichten, besäßen wir eine “Stadtvilla” auf 4 Etagen. Dann könnte man auch gleich einen Fahrstuhl einbauen … :-) .

Wir lassen uns aber Zeit mit den Verhandlungen. Zum einen sind wir mit unseren 48 m² bisher gut klar gekommen und andererseits glaube ich nicht, dass sich für so ein “Loch” ein anderer Interessent findet. Und zudem stellt sich die Frage, wer schon bereit ist unter uns zu wohnen? Ich denke dabei nur an Sabeths neuen Flummi … .

Und da wir schon einmal dabei waren, besichtigten wir auch gleich noch die “Ruine” nebenan. Der Besitzer, ein Bauunternehmer aus Vejer, nahm den Fortgang der Putzarbeiten an der Außenfassade in Augenschein. Ich bat ihn um eine Führung und er willigte gerne ein.

Wir gingen gleich zum “Schmückstück” der Ruine, dem Hinterhofgarten. Und der Bauunternehmer erzählte uns sofort, was man aus dem Garten alles machen könnte: Swimmingpool, … . Auch wenn das vielleicht etwas übertrieben ist, so hat so ein Hinterhofgarten durchaus seinen Charme. Ich kenne kein Haus im Ortskern von Vejer mit Garten.

Bevor an die Gartenarbeit zu denken ist müsste die ganze Bude aber erst einmal entrümpelt werden.

Und zwei ältere Herrschaften wohnen auch noch in kleinen Wohnungen im Patio.

Der Eigentümer erzählte uns ganz stolz, dass er hier mit 8 Brüdern und einer Schwester aufgewachsen sei. Im Patio habe es ein Bad, eine kleine Kochstelle und einen kleinen Gemeinschaftsraum gegeben. In diesem haben 3 seiner Brüder geheiratet. Unvorstellbar.

Nun ist alles schon seit Jahren dem Verfall preisgegeben und wir beobachten jährlich die weitere Erosion.

Wohnung ohne Dach. Eine Immobilie mit Potenzial. So würde das Anwesen bei uns beworben werden. Vorstellen kann man sich in der Tat vieles. Ich denke, für eine Person alleine wäre es eine Lebensaufgabe.

Von hier aus hatten wir einen guten Blick auf die rückwärtige Fassade unserer Wohnung. Oben sind unsere Schlafzimmer und unten die beiden Küchenfenster. Gertrud findet den Ausblick von unserem Küchenfenster auf die zerfallenen Mauern alles andere als schön. Ich finde es zumindest idyllisch.

Mittlerweile habe ich unsere Fassade mit einer an einem langen Stiel befestigten Rolle, aus den Fenstern hängend, gestrichen. Schön war dabei, dass mich herunter tropfende Farbe überhaupt nicht störte :-) .

Alleine die Abbrucharbeiten und das Abtragen des Schutts aus der “Parkanalage” würde Monate, wenn nicht sogar Jahre, dauern. In unserer Straße kann kein LKW vorfahren. Alle Baumaterialien hier werden mit kleinen Kipplastern angeliefert und Schutt auf die gleiche Weise abgeholt. 

Charme hat die Anlage aber dennoch. Vor Jahren sagt mir eine Immobilienmaklerin, dass der Besitzer € 400.000,- für die Anlage haben möchte. Ich konnte mich nur schwer zurückhalten, bei diesem Schnäppchenpreis nicht gleich zuzuschlagen.

Sabeth beobachtete unsere Besichtigungstour interessiert aus ihrem Schlafzimmer.

Der Eigentümer sagte uns, dass er € 240.000,- für die Ruine haben wollte. Allerdings ohne die beiden Wohnungen, die seiner Schwester und einem anderen Bruder gehören. Ich dachte, dass dieses Angebot ein Scherz sei, und bot ihm spaßeshalber eine Ratenzahlung von € 10.000,- jährlich (aber nur bis zu seinem Ableben) an und unter der Bedingung, dass er die Renovierungsarbeiten im Innenhof fortsetzt. So fit wie er auf uns wirkte, muss ich allerdings davon ausgehen, dass er die “100″ noch voll macht.

Angesichts der Wirtschaftskrise in Spanien wurden hier in Vejer (und natürlich auch in anderen Landesteilen Spaniens) in den vergangenen Jahren (aufgrund der überhöhten Preise resultierend aus der Immobilienblase) kaum noch Wohnungen verkauft. Die Preise fallen und in den nächsten Jahren ergibt sich mit Sicherheit noch die Gelegenheit, das eine oder andere Schnäppchn zu erwerben.

Soweit der Exkurs über den örtlichen Immobilienmarkt.

Nächsten Samstag sind wir hoffentlich wieder daheim, und schauen auf einen schönen Garten (hoffen wir jedenfalls) und nicht auf eine Ruine.

Bis bald

Euer Thomas und Familie

Sabeths Geburtstag

12. Juni 2011

Sabeths Geburtstag war schon der 3. Ehrentag den wir nicht zu Hause feierten. Ein wenig komisch ist es schon diese Geburtstage ohne die anderen Familienmitgliedern und Freunde zu feiern. Bisher gelang es uns aber immer die Geburtstage mit Unternehmungen zu “besonderen” Tagen zu machen.

Sabeth bekam zu ihrem 8. Geburtstag ihre erste Uhr. Diese hatten wir ihr in Aussicht gestellt, falls sie es bis dahin gelernt haben sollte die Uhr zu lesen. Sie übte daraufhin fleißig das Ablesen der Zeit auf der Küchenuhr und hatte es pünktlich zu ihrem Geburtstag “so halbwegs drauf”.

Am Nachmittag fuhren wir zum Strand. Eigentlich hatten wir Sabeth zum Geburtstag einen Ausflug mit einem Schiff auf die Straße von Gibraltar von Tarifa aus zur Wal- und Delfinbeobachtung geschenkt. Leider fuhren die Schiffe an diesem Tag wegen der unruhigen See nicht hinaus, sodass wir an den Strand fuhren. Die Walbeobachtung hotlen wir dann am nächsten Tag nach und begleiteten für ca. 30 Minuten eine Schule von ca. 40 Delfinen. Ein einmaliges Erlebnis, wie diese vor dem Boot in die Höhe sprangen und komplett mit ihren Körper das Wasser verließen. Leider hatte ich gerade an diesem Tag die Speicherkarte meiner Kamera vergessen, was mich sehr ärgerte.

Unsere beiden Mädchen vergnügten sich fast die gesamte Zeit über mit der Luftmatratze im Wasser. Wir verbrachten einen schönen Strandtag und so erhielt auch dieser Tag seine “besondere Note”. Wann hat man schließlich schon einmal die Gelegenheit seinen Geburtstag in einer solch´ schönen Umgebung zu verbringen.

 ”La jefa de la patio”, Rosa

buk Sabeth anlässlich ihres Geburtstag einen leckeren Kuchen.

Sabeth erhielt auch Post zu ihrem 8. Geburtstag. Besonders freute sie sich über eine Musikkarte von Annette. Auch wir freuten uns sehr, hatten wir doch noch Wochen danach “Freude” an der “Musik”…

Abends unternahmen wir einen kleinen Spaziergang durchs Dorf

zum “Balkon”.

Sabeth durfte sich anlässlich ihres Geburtstages ein Restaurant aussuchen und entschied sich für ein Lokal am Plaza Espana. Das Preis-Leistungsverhältnis entsprach aber nicht ganz so unseren Vorstellungen, und deshalb beschlossen wir beim nächsten Mal wieder in unsere Stammpizzeria zu gehen.

Und mit diesem Foto verabschiede ich mich für heute. Den nächsten Geburtstag (von Gertrud am 1. August) werden wir aller Voraussicht wieder in der Heimat feiern. Bald ist das Jahr um!

Liebe Grüße nach Deutschland (und an die Leser in anderen Ländern)

Euer Thomas

Juni – Vejer

Anfang Juni waren bereits 6 Wochen seit unserer Rückkehr aus Südamerika vergangen und die Zeit verging wie im Flug. Nicht zuletzt wegen der Besuche, Philomenas Schulbesuch und der Renovierungsarbeiten am Haus kam keine Langeweile auf. Kurzzeitig hatten wir überlegt Mitte Juni für 10 Tage von Sevilla aus nach Teneriffa zu fliegen, da wir Bedenken hatten, dass uns irgendwann einmal die “Decke auf den Kopf fallen könnte”.  Diesen Gedanken verwarfen wir dann aber wieder. Wir merkten zudem, dass uns das halbe Jahr in Südamerika noch “ziemlich in den Knochen” steckte und uns überhaupt nicht wieder der Sinn nach Kofferpacken und Herumreisen stand.   

Auch das Wetter erfüllte voll und ganz unsere Erwartungen. Es war zwar sehr warm und das Thermometer zeigte zumeist mehr als 30 °C an, aber zum Glück wurden die Tage mit schwülwarmen Wetter und starkem Ostwind weniger.

Und weil es so schön ist, zeige ich euch im folgenden noch ein paar Fotos von Vejer, die ich im Juni aufgenommen habe.

Das eine oder andere Fotomotiv könnte euch bekannt vorkommen. Auch nach dieser langen Zeit gehe ich fast nie ohne Kamera aus dem Haus. Wobei das schon etwas peinlich ist. Die Einheimischen schauen etwas belustigt und ich sehe aus wie ein Tagestourist.

Am 1. Sonntag im Juni war Flohmarkt. Eine willkommene Gelegenheit das Kleiderregal unserer Kinder (Schrank passt nicht in die Zimmer) und den Abstellraum zu entrümpeln. Philomena war Feuer und Flamme angesichts der zu erwartenden Einnahmen.

Auch unser alter Fernseher sollte einen neuen Besitzer finden. Umso größer war die Enttäuschung am Ende des Tages, dass sie fast nichts verkauft hatten. Auch mir sind die Gründe hierfür ein Rätsel. 

“Ente” und blühender Oleander vor einem unserer Lieblingsauspunkte, den wir nur “Balkon” nennen.

Der Blick in die Weite sorgt immer wieder für Wohlbehagen.

So sieht eine Fassade aus, wenn sie 2 oder 3 Jahre nicht gestrichen wurde. Dann saugen die Wände die Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm (und drinnen “mufft” es).

Hier ein Blick in westliche Richtung. Die in der Mitte zu sehende Entlastungsstraße wurde erst kürzlich fertig gestellt.

Und ein Blick Richtung Süden. An diesem Tag war die Küstenlinie von Marokko nicht zu erkennen.

Eine unserer Lieblingsgassen, die Calle Trafalgar.

Überall an dem Wänden hängen Blumentöpfe mit blühenden Pflanzen.

Und nette Lokale laden zum Essen ein.

Wir essen aber meist zu Hause. In der Regel sehen die Gerichte besser aus als auf diesem Foto. Philomena und ich lieben aber die Paella.  

Und im Juni begann auch die Kirschenzeit. Wir kauften häufiger eine ganze Stiege (ca. 2 kg) zum Preis von € 4,-. 

Abendstimmung auf dem “Balkon”.

Mit Sabeth unternahm ich einen weiteren Abendspaziergang. Der Himmel war klar und ich hoffte schöne Fotos vom Sonnenuntergang machen zu können.

Zuvor ging ich aber noch an diesem Rhizinusstrauch vorbei um zu sehen, ob die Kapseln schon reif waren. Mein Vater hatte die Früchte während seines Besuchs entdeckt und mich gebeten, einige reife Kapseln mit nach Deutschland zu bringen. Ein paar Tage müssen diese Früchte aber noch hängen.

Ich erreichte dann mit Sabeth nach anstrengendem bergauf und bergab einen Aussichtspunkt mit Blick Richtung Westen.

Und von hier aus hat man auch einen schönen Blick über das historiche Vejer. Der neue Teil beginnt am rechten Bildrand. Unser “Balkon” befindet sich links unterhalb der Kirche.

Und heute, bei klarer Sicht, war auch deutlich die Küstenlinie Marokkos zu erkennen. Von hier aus müsste die Distanz ca. 30 km betragen. Ich konnte sogar einzelne Windkraftanlagen erkennen.

Der Aussichtspunkt mit einer der alten Mühlen von Vejer, dem Wahrzeichen des Dorfes.

Und wir hatten Vollmond.

Sabeth und ich erlebten dann einen wirklich schönen Sonnenuntergang: “Wenn bei Cadiz die rote Sonne im Meer versinkt … oder so ähnlich?

Viele Grüße aus dem Süden. Angesichts der Wetterlage in Osnabrück bin ich froh, dass wir noch eine Woche hier sind.

Euer Thomas

Neues aus dem Süden

Hallo,

da ich mit meinen Berichten etwas hinterherhänge, möchte ich euch mit ein paar aktuellen Informationen und unseren momentanen Gedanken versorgen.

Wichtigste Mitteilung des Tages: wir hatten heute einen wunderschönen Strandtag in Roche !

Das aber nur nebenbei.

Unser Abreisetermin rückt näher. Und wenn es nach meinen “kleinen Damen” ginge, wären wir schon vor ein paar Wochen abgereist, so groß ist nach einjähriger Osnabrück-Abstinenz das Heimweh. Und auch Gertrud und ich freuen uns natürlich sehr auf eine Rückkehr in die Heimat.

Alle sind wir der Meinung, dass es jetzt “wirklich gut gewesen ist”, und es Zeit wird die Zelte abzubrechen. Ein einmaliges und erlebnisreiches Jahr liegt hinter uns, ABER wir sehnen uns alle nach einem geregelten Alltag in der (1.) Heimat. Auf Dauer ist ein Leben hier (vor allem ohne konkrete “Aufgabe”) dann doch etwas öde. Für das “Altenteil” sind wir wohl tatsächlich noch etwas zu jung. 

Außerdem wirkt die Hitze doch sehr lähmend auf uns. Bei diesen hohen Temperaturen halten wir uns zumeist nur bis 12 Uhr und ab 17 Uhr draußen auf und auch die Motivation zu körperlicher Ertüchtigung hält sich in engen Grenzen. Zudem ist es nachts häufig so warm, dass wir den Ventilator einschalten müssen, um nicht “im eigenen Saft zu schmoren”.

Und doch genießen wir immer noch die Tage hier in Vejer: Gestern Abend waren wir beispielsweise noch bei einem Flamenco-Konzert in einer umgebauten Kirche in der Altstadt und gingen kurz vor Mitternacht durch die immer noch von Leben erfüllten Gassen. Dabei wehte eine warme Brise. Dies hat wirklich Lebensqualität und wir freuen uns, dass wir selbst nach 8 Jahren immer wieder aufs Neue von diesem Ort begeistert sind.

Trotz dieser sich abwechselnden Ödnis und Begeisterung werden wir aller Voraussicht nach wie geplant am letzten Wochenende im Juli nach Osnabrück zurückkehren. Ein wenig gibt es für uns noch zu tun:

Ich bin immer noch dabei, unsere kleinen Wohnung zu streichen. Die Außenfassade habe ich mittlerweile fast komplett gestrichen. Momentan arbeite ich mich in der Wohnung vom Obergeschoss hinunter ins Untergeschoss. Dabei habe ich die andalusische Arbeitsweise zu dieser Jahreszeit angenommen: maximal 4 Stunden Arbeit am Tag, kleine Pausen, ein cerveza zwischendurch und jeden 2. Tag frei. Ich bin ja schließlich im Sabbathjahr (und nicht auf der Flucht).

Bei der Hitze (wir haben beständig über 30 °C) wird jeder Handschlag zur Qual. Mittlerweile habe ich auch verstanden, warum viele Bewohner Vejers ihre Häuser im April und Mai renoviert haben :-) .

Ich denke aber, dass ich am Ende der kommenden Woche die Streicharbeiten beendet haben werde.

Kurzzeitig hatten wir überlegt, schon an diesem Dienstag in die Heimat zu reisen. Dann hätte ich noch an einem Kollegiumsausflug am Donnerstag teilnehmen und meine Kollegen noch einmal wiedersehen können. Die Schule in NRW geht ja noch bis Freitag.

Und in diesen bequemen Liegestühlen lässt es sich am Strand auch super schlafen.

Ein weiterer Grund, noch ein wenig im Süden zu verweilen seht ihr auf diesen Bildern. Angesichts der Wetterlage in Deutschland und der Freizeitmöglichkeiten hier habe ich keine besondere Eile nach Deutschland zurückzukehren. 

Wir sind zwar nicht mehr täglich am Strand, weil unsere Begeisterung doch ein wenig erlahmt ist. Aber wenn wir dann mal da sind, ist es immer wieder toll.

Heute waren die Wellen in Roche so hoch, dass Philomena und Sabeth sich nicht ins Wasser wagten. Selbst mir wurde angesichts der Wucht der Wellen und der Strömung ein wenig mulmig zumute.

In Roche waren fast ausschließlich Spanier am Strand, die ihr Mobiliar ähnlich einer Wagenburg anordneten und den Tag am Meer mit allerlei Speisen und Getränken verbrachten.

Hier weiß man zu leben.

Bis bald in Deutschland!

Ein bis zwei Artikel werde ich noch über unsere Erlebnisse im Juni in den blog stellen und dann ist “Schicht im Schacht”. Keine blog-Berichte mehr.

Vorerst auf jeden Fall … bis zum nächsten Sabbath-Jahr :-) .

Viele Grüße und ein paar schöne Sommertage wünschen Euch

Thomas und Familie

Exkursion in das rurale Umland eines weißen Dorfes

Ende Mai unternahm ich eine weitere Fahrradtour zum Strand von El Palmar. Um den bisher schon häufiger genutzten Begriff “Fahrradausflug” zu vermeiden, habe ich mich für eine andere Überschrift entschieden :-) .

Bisher war ich mit Philomena und Sabeth immer einer der Zufahrtsstraßen nach Vejer bis zum Kreisel “hinuntergesaust”, um dann die Landstraße bis nach El Palmar entlang zu fahren.

Während eines Spazierganges in Vejer hatte uns jemand gesagt, dass es noch einen weiteren Weg zur Küste gäbe. Diesen Weg wollte ich heute erkunden.

Ich fuhr also nicht eine der Zufahrtsstraßen nach Vejer hinunter, sondern in Richtung Steilhang, von dem man eine tolle Aussicht Richtung Westen auf das Meer (und die Sonnenkollektorenanlage) hat.

In dieser Gegend von Vejer war ich bisher noch nicht gewesen.

 Nichts als Wiesen und Felder.

Natur pur. So sieht es bei uns im Spätsommer aus. Hier schrieben wir den 25. Mai.

Grüße aus Niederösterreich. Bei diesem Bild denkt man nicht zwangsläufig an Südspanien. 

Die Wildblumen am Straßenrand faszinierten mich immer wieder aufs Neue.

Eine der zahlreichen Windkraftanlagen. Angesichts der Sonnenscheindauer und der häufigen Winde müsste sich Vejer theoretisch komplett mit regenerativem Strom versorgen können.

Die Kühe hier haben es mir wirklich angetan. Und überall auf den Weiden sieht man die weißen Vögel als Begleiter der Kühe. Ich nehme an, dass sie diesen die Parasiten aus dem Fell picken.

Dann erreichte ich die Landstraße von Los Canos nach El Palmar, ganz in der Nähe des Cabo Trafalgar.

Dos Hermanos. Bald werden sie zu Ostern durch die Gassen von Vejer getrieben werden, um dann 4 Tage später als Gulasch während des Frühlingsfestes von den Bewohnern Vejers verspeist zu werden.

Eigentlich nicht die richtige Temperatur, um eine Fahrradtour zu machen. Ich war froh, dass meine Töchter heute das Angebot mich zu begleiten abgelehnt hatten. Auch so war es schon anstrengend genug für mich.

Nach einer guten Stunde erreichte ich den Strand von El Palmar. Und obwohl wir hier fast täglich sind, erfreue ich mich nach wie vor am Strand und der Aussicht aufs Meer. Ein Zeichen, dass wir den richtigen Ort gewählt haben.

An dieser Bar “haut sich der gemeine Südspanier” im Kreise seiner Freunde gerne ein paar Bier “hinter die Binde”. Die Wirkung lässt bei diesen Temperaturen wahrscheinlich nicht lange auf sich warten.

Und dabei unterhalten sie sich in einer Lautstärke, dass man sein eigenes Wort nicht versteht.

Dann erreichte ich meine Familie am Strand. Um diese Jahreszeit hatten wir den Strand mehr oder weniger noch für uns alleine.

Zurück nahm ich den selben Weg an diesem Sonnenblumenfeld vorbei. Noch sah man allerdings erst einige wenige geöffnete Blütenköpfe. In Spanien heißen Sonnenblumen girasol (=Sonnendreher). Ein passender Name.

Am Wegesrand sah ich einige verlassene Fincas. Hier auf dem Lande unweit von Vejer zu wohnen, hat bestimmt auch seinen Reiz. Wir ziehen allerdings das Leben im Dorf vor, da wir so das “pralle Leben” direkt vor der Tür haben.

Ich war relativ guter Dinge, da ich mich bisher auf ebener Fläche befand. Der Berganstieg nach Vejer stand mir noch bevor.

Diese Ziegen nagten die restlichen Blätter von den Büschen ab.

Postkartenmotiv.

Ich glaube nicht, dass bei uns das Stroh noch in dieser Weise zum  Trocknen aufbereitet wird.

Und dann war er da: DER BERG. Gefühlte 20 km ging es bergauf. Dabei waren es nur ca. 5 km. Immer wieder musste ich absteigen, weil ich selbst im 1. Gang den Anstieg nicht bewältigen konnte. Irgendwie kann ich schon nachvollziehen, warum das Fahrrad in Vejer nicht zu den traditionellen Fortbewegungsmitteln gehört.

Wer sein Fahrrad schiebt … kommt manchmal in den Genuss eines noch intensiveren Naturerlebnisses. Die Farben der Natur (vor allem in Kombination mit dem blauem Himmel) sind wirklich einmalig.

Kurz vor dem Hyperventilieren erreichte ich dann das Ende des Anstiegs. Von dieser Seite hat man einen für uns ungewohnten Blick auf Vejer.

Und mit diesem Foto von einer der zahlreichen Mühlen verabschiede ich mich für heute.

Bald hat uns Deutschland wieder.

Viele Grüße und bis bald

Thomas und Familie

Baustelle

Juni 2011

Das Vordach vor unserer Wohnung war etwas in die Jahre gekommen und unser neuer Nachbar Francisco, der die neben uns liegende Wohnung kürzlich erworben hat, beklagte Undichtigkeiten. Das eindringende Wasser hatte Schimmelbildung in seiner Wohnung verursacht.

Hier ein Foto vom 24. Mai

und hier eines vom 22. Juni 2011. Bis hierher war es ein weiter, und vor allem auch staubiger Weg.

Schön war der Eingangsbereich vor unserer Tür wirklich nicht mehr. Rechts geht es in die Wohnung von Francisco. Er hat sich diese gemeinsam mit seinen Eltern zu einer  Ferienwohnung umgebaut. Das alte Dach bestand aus Platten, die mit Asbest verseucht waren. Bei uns hätte die Entsorgung ein Vermögen gekostet. Wo und wie die Platten hier entsorgt werden, habe ich nicht gefragt… 

Vor unserer Tür konnte man deutlich erkennen, wo bereits Wasser eingedrungen war.

Am 30. Mai rückten dann zwei “richtige Kerle” an, die binnen eines Tages unseren Eingangsbereich in “Schutt und Asche” legten.

Wir verzogen uns an diesem Tag lieber an den Strand. Bei dem Lärm kann man mittags schließlich nicht schlafen!

Bereits am Abend freuten wir uns über das zusätzliche Licht, welches nun durch das Glas unserer Haustür in die Wohnung fiel. An diese Auswirkung hatte ich bei der Auftragsvergabe gar nicht gedacht und wir überlegten, ob wir das Dach nicht einfach weglassen könnten. Dies ging aber nicht, weil sonst das Wasser nach starken Regenfällen in unsere Wohnung geflossen wäre.

Gemeinsam mit Francisco hatten wir eine Neugestaltung des Eingangsbereichs beschlossen. Die abgerissene Trennwand zum Patio sollte nur halbhoch aufgebaut und eine Sitzbank eingebaut werden. Die zusätzlichen Kosten waren im Rahmen der Dacherneuerung nur marginal.

Schon am nächsten Tag war die Unterkonstruktion fast fertig.

Auch Rosa und Cristobal ließen im Zuge der Arbeiten ihr Dach neu fliesen. Den Dreck und Staub hatten wir eh´ überall.

Schon in diesem Baustadium konnten wir erkennen, dass wir mit der in Auftrag gegebenen Bank im Eingangsbereich genau richtig gelegen hatten.

Nach Fertigstellung fehlte dann nur noch der Feinschliff, 

und so musste, bzw. durfte, der “Meister” persönlich Hand anlegen.

Eine der wenigen handwerklichen Tätigkeiten, die ich zumindest rudimentär beherrsche. Für alles “Weitere” hat man schließlich seine Leute… :-) .

“Held der Arbeit”.

Wir entschlossen uns, dann auch noch die Rückenlehne und den Sockelbereich fliesen zu lassen.

Zu erwähnen ist noch unsere “bekloppte” Pationachbarin, deren Nebeneingangstür im Hintergrund des Fotos zu sehen ist. Ihr Haupteingang liegt in der Fußgängerzone und schon seit Jahren “kämpft” sie um einen Schlüssel für das Tor zu unserem Patio. Diesen hat Rosa ihr aber bisher erfolgreich verwehrt, da sie die Tür und das Fenster zu unserem Patio illegal errichtet hat und sie somit in unserem Innenhof “nichts verloren” hat.

Aus Bosheit hat “unsere liebe” Nachbarin deshalb Francisco bei der Polizei angezeigt, indem sie behauptete, wir würden im Patio illegale Bauarbeiten durchführen. Zum Glück hatte ich die in diesem Bericht gezeigten Fotos gemacht, die belegen, dass bereits vorher ein Vordach vorhanden war, welches jetzt nur erneuert wurde.

Man muss wissen, dass die gesamte Innenstadt von Vejer praktisch unter Denkmalschutz gestellt ist und ohne die Genehmigung der Stadtverwaltung keine Neubauten oder Anbauten errichtet werden dürfen. Deswegen müssen wir auch den Zeitpunkt der Errichtung unserer Dachterrasse klug wählen. Mit unserer “bekloppten Nachbarin” ist dieses Vorhaben aber fast aussichtslos.

Die Retourkutsche hat die “aufmerksame Dame” bereits erhalten: Francisco hat sie auf Rückbau der Tür und des Fensters verklagt. Mal sehen, ob sie demnächst alles wieder zumauern muss. Grüße aus “Pusemuckl”!

Und da sage noch einer, der Südspanier ist entspannt. Wahrscheinlich verbrennt die Sonne so manch´ einem die letzten Gehirnzellen.

Das Ergebnis der Fliesenarbeiten konnte sich wirklich sehen lassen. Jetzt kann man sich abends schön vor die Tür setzen und die lauen Sommerabende genießen.

Es fehlten nur noch die Pflanzen. Den Anfang machte diese kleine Palme, die wir im Aldi kauften (kein Scherz). Gute Qualität und 60% günstiger als beim örtlichen Blumenhandel.

Die restlichen Pflanzen kauften wir dann aber in einem Gartencenter.

Wir hoffen, dass die Pflanzen während unserer Abwesenheit von Rosa gut gepflegt werden.

Der Oleander, der schon seit Tagen immer wieder neue Blüten austreibt, hat es mir besonders angetan. Ein weiterer, in roter Farbe, steht an einer der Zufahrtsstraßen zu Vejer. Diesen werde ich in den nächsten Tagen ein wenig beschneiden müssen :-) .

Hier ein Foto von der vergangenen Woche: ich habe so einen Gefallen an den Malerarbeiten gefunden, dass ich momentan die Fassade streiche. Dies macht besonders großen “Spaß”, weil nach dem ersten Anstrich die alte Farbe aufweicht, bei erneutem Überstreichen großflächig abblättert, und dann in Verbindung mit der neuen Farbe alles verschmutzt. Einfach prima! Und das alles bei 34°C im Schatten. Aber ich werde sie (die Wand) besiegen!!!

Und am Freitag kommen die neuen Türen für die Schlafzimmer. 3 Wochen müssen wir mindesten noch hier bleiben, um alles “auf Vordermann” zu bringen. Man will sich schließlich nicht ÜBERarbeiten im Sabbath-Jahr.

Liebe Grüße

Euer Thomas

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